Mit Virtual Reality neue Meeting-Möglichkeiten entdecken

Ein Kunde berichtet mir von seiner Geschäftsreise nach Rio de Janeiro: Zahlreiche Meetings bestimmten seinen Tag, abends oder zwischendurch besuchte er den Zuckerhut, die Guanabara-Bucht und den Ipanema-Strand. Sein Bericht klingt toll – aber auch stressig. Die lange Flugreise, vom Flughafen zum Hotel, vom Hotel zu den Meetings, von Jetlag gar nicht erst zu reden. Dennoch wirkt er ausgeruht, tiefenentspannt, fasziniert und inspiriert von seinen Eindrücken. Zu alledem berichtet er von sehr fruchtbaren Meetings, die das Unternehmen wirklich weitergebracht und bei denen Teilnehmer aus der ganzen Welt konzentriert und begeistert mitgearbeitet haben. Wie um alles in der Welt geht das? Dann lüftet er sein Geheimnis. Es handelte sich um Virtual Reality-Meetings. Statt Reisestress saß er gemütlich zuhause an seinem Schreibtisch, setzte sich die VR-Brille auf und tauchte ein, in das Land der unbegrenzten Meeting-Möglichkeiten.

Infiziert von Virtual Reality

Der Bericht meines Kunden war meine erste Berührung mit Virtual Reality und ich war fasziniert. Ich dachte an meine Coachings und wie ich die halbe Welt bereist habe, um Termine vor Ort wahrzunehmen. Wäre das auch mit Virtual Reality möglich gewesen? Ende März bot sich mir nun die Gelegenheit, es selbst auszuprobieren. Der BVMW (Bundesverband mittelständischer Wirtschaft) lud zu einem Unternehmertreffen im virtuellen Raum ein. Die Brille wurde mir vom Umsetzungspartner Circle4x vorher zugeschickt. Das Set-Up war kinderleicht und im Handumdrehen trafen wir uns im virtuellen Raum.

Die virtuelle Welt ist so real

In einer großen modernen Halle werden wir von Michele, dem Organisator von Circle4x, begrüßt, lauschen gebannt seinen Ausführungen über die Möglichkeiten im virtuellen Raum und lernen uns dabei kennen. Die Atmosphäre ist ungezwungen und locker. Die etwas unpersönlichen Avatare stören mich nicht. Es ist völlig egal, wie die Person neben mir aussieht, an ihrem Namensschild erkenne ich sofort wie sie heißt und komme ins Gespräch. Abgesehen davon lässt sich der Avatar bei häufiger Nutzung persönlicher gestalten. Bei Michele sieht man sogar Gesten, wenn er sich in der realen Welt bewegt. Mit Künstlicher Intelligenz arbeitet man daran, dass auch Mimik und Lippenbewegungen übertragen werden können.

Erstaunlich echt fühlt sich an, wenn einem jemand zu nahekommt. Steht plötzlich jemand dicht neben mir, ist es mir unangenehm, wie in der Wirklichkeit. Für ein reales Empfinden sorgt auch, dass die Stimmen von Personen leiser werden, wenn sie sich von mir wegbewegen. All das ohne Zeitverzögerung, Ton und Bild laufen reibungslos. Michele nimmt uns mit in einen weiteren Raum und wir trinken gemeinsam einen virtuellen Kaffee, mit Blick auf einen wunderschönen See. Wer sich traut, balanciert auf einem Brett in schwindelnder Höhe über dem See. Sehr furchterregend, mit Höhenangst vermutlich nicht zu bewältigen. Und somit ein absolut reales Erlebnis. Kein Wunder, dass mein Kunde so detailgetreu vom Zuckerhut und Corcovado berichtete.

Charlotte Heidsiek wagt sich virtuell in schwindelerregender Höhe auf ein schmales Brett, das über einen wunderschönen See, eingebettet in eine Berglandschaft, ragt.

Virtual Reality in Coachings und Change-Prozessen

Wenn ich nun an Virtual Reality in meinem Coaching-Umfeld und in der Organisationsentwicklung denke, zeichnet sich mir ein Bild von sehr flexibler Zusammenarbeit. Im Prinzip ist mit Virtual Reality alles denkbar, was in der realen Welt auch möglich ist: Arbeit in großen und kleinen Gruppen, Design Thinking-Prozesse, Strategieplanung, Visionsentwicklung, Customer Experience und das gemeinsame Erarbeiten von Präsentationen. Auch auf informellen Austausch in Zweiergesprächen muss man nicht verzichten. Und wenn man will, kann man in den Pausen noch gemeinsam einen Kaffee oder nach getaner Arbeit zusammen ein Bier trinken. Besonders beeindruckend finde ich, dass sich im virtuellen Raum quasi eine hierarchiefreie Zone entwickelt: Die Teilnehmer kommen so ungezwungen in Kontakt, dass sich Hierarchien auflösen können. Das ist für viele meiner Coachings sehr hilfreich, denke ich an die Gestaltung von Leadership-Prozessen, die Führungskräfte- oder Organisationsentwicklung oder an Konfliktmanagement in Teams. Die aktuell noch zeitliche Einschränkung durch die Akkuleistung der VR-Brillen sehe ich dabei nicht als Hindernis, ganz im Gegenteil. Sie könnte sogar die Meetingstrukturen revolutionieren. Denn geht es Ihnen nicht auch manchmal so, dass Sie Meetings als zu langwierig empfinden und die Fokussierung und Konzentration nachlassen? Im virtuellen Raum taucht man vollständig ein und konzentriert sich vollkommen auf das Projekt. Im Gegensatz zu Videokonferenzen wird man nicht von eingehenden E-Mails oder dem Smartphone abgelenkt und die Zeit vergeht wie im Flug. Und apropos Flug: Wie viele Flugreisen wird VR uns und mir zukünftig ersparen. Meetings im internationalen Führungsteams ohne Reiseplanung Stuttgart-Rio-Tokio. „Wir schaffen es auch mit Handgepäck nach Sao Paolo zu fahren“, sagte mir einmal ein Kunde. Auch ich bin schon mit Handgepäck nach Singapur und Shanghai – etwas, dass zukünftig hoffentlich nicht mehr (ganz) so häufig vorkommen wird. Alles in allem bin ich sehr dankbar für dieses herausragende Erlebnis in der VR. Wie geht es Ihnen? Haben Sie schon mal an virtuellen Meetings teilgenommen oder in Kreativprozessen in Virtual Reality zusammengearbeitet? Ich würde mich freuen, von Ihren Erfahrungen zu hören.

Photos: Michele C. Fuhs – Circle4x